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Vintersorg – Till Fjälls del II / Tillbaka till källorna (EP)

Vintersorg CMYKLabel: Napalm Records

Spielzeit: 77:12 min.

Genre: Pagan Metal

Info: Facebook

Hörprobe: Youtube

Album kaufen: Shop

VÖ-Datum: bereits erschienen

Na Freunde, wer hat heute Abend noch nichts vor und zufälligerweise Lust auf Pagan Metal in Spielfilmlänge? Dann mal nichts wie rein in den gute Laune-Express ins eisige Schweden, zu den Urgesteinen von Vintersorg. Die haben nämlich, nach einer eher progressiv/experimentellen Zwischenphase in ihrer (bzw. seiner) Karriere, seit einigen Jahren den Bogen zurück geschlagen und nähern sich nun konsequenter Weise ihrem Ursprungspunkt wieder an. Dem Opus Magnus „Till Fjälls“. Selbiger war zwar definitiv ein Kind seiner Zeit, aber trotzdem ein wirklich hervorragendes Pagan Metal Album. Und da der gute Herr Vintersorg anno 2017 seine Spendierhosen an hat, gibt es heute nicht nur die Fortsetzung eines Klassikers, sondern oben drauf noch eine EP mit alten Vargatron Stücken, die die Transformationsphase von der alten Band in das neue Vintersorg Projekt nicht überlebt hatten.
Damit hat das Album, mit seinen knapp 80 Minuten, schon annähernd Disney Filmlänge. Ein mutiger Schritt in einer Zeit, der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen, in der man versucht, immer mehr, in immer kürzerer Zeit zu konsumieren.
Wie schlägt sich das Mammutwerk denn nun also? Tja, das ist schwer zu sagen. Leider ist es nämlich unvermeidlich, bei einer direkten Fortsetzung das Album ohne seinen Vorgänger zu betrachten und der hat die Messlatte weiß Gott nicht niedrig angesetzt. Kurzum ist der Klang natürlich wesentlich sauberer und geordneter, das kann man mögen und dafür habe ich vollstes Verständnis, mir persönlich sagt aber der rauere und ungeschliffenere Ton weitaus mehr zu. Der Klargesang ist gefühlt auch nicht mehr ganz so kraftvoll wie noch vor 20 Jahren, aber auch das kann ich gut weg stecken. Wenn man davon einmal absieht, dann erwartet einen aber ein echtes Vorzeige Pagan-Metal-Album. Frostige, rasende Passagen wechseln sich mit melodiösen und getragenen Parts ab, allerhand Instrumente und Gesangsformen werden eingebaut, Chöre begleiten das ganze. Sprich: Hier wird Pagan Metal in all seiner epischen Bandbreite zelebriert. Erstaunlicherweise wird „Till Fjälls del II“ trotz langer Spielzeit nicht langweilig und innerhalb der Genregrenzen ist man schon recht abwechslungsreich, kann aber auch nicht überspielen, dass es trotzdem schon einiges an Sitzfleisch und Konzentrationsvermögen fordert, das Album aktiv an einem Stück zu genießen. Das schmälert den Wiederhörwert natürlich, denn easy listening ist hier nicht geboten, trotzdem muss man festhalten, dass sich das Ganze wie aus einem Guss anhört. So sehr, dass man fast schon, ohne es zu merken, in die mitgelieferte EP rutscht.
Selbige macht ehrlicherweise keinen großen Unterschied zum Hauptwerk, ist vielleicht ein klein wenig Folk lastiger und lässt etwas mehr Raum zwischen den Liedern. Anders als auf der CD eins nämlich, wo es schwer fällt, einzelne Songs raus zu picken, da vieles einfach ineinander überfließt im Klangbild. Mein persönliches Highlight folgt dann ganz am Ende, denn bei dem Stück „Svart mane“ habe ich einen herrlichen Ulver Flashback und beende die lange Reise durch diese Zauberwelt mit einem angenehm wohligen Gefühl.
Was bleibt also am Ende zu sagen? „Till Fjälls del II“ macht nichts wirklich falsch. Natürlich ist eine so lange Spielzeit immer eine Herausforderung, aber gerade Heutzutage finde ich so einen Schritt eher mutig als unklug. Die Aufmachung ist mir ein wenig zu Comic-haft, da ziehe ich die düstere Ästhetik von Bands wie Helrunar vor, aber das ist Geschmackssache. Den Vergleich mit dem alten Ahnherren „Till Fjälls“ muss das neue Werk dabei aber beileibe nicht scheuen. Ein würdiger Nachfolger, der genau wie der erste Teil ein Produkt seiner Zeit ist. Einziges, größeres Manko ist, dass einem nicht wirklich etwas Neues geboten wird. Alles was man hier hört, ist schon da gewesen irgendwie, auch das ist eine Gefahr wenn man dasselbe Album zum zweiten mal schreiben möchte. Es fehlen ein klein wenig die „Aha! Momente“.
Nichtsdestotrotz ist das Ganze ein riesen Spaß für Jeden, der etwas für Pagan Metal übrig hat und sollte für Anhänger des Genres ohnehin einen Pflichtkauf dar stellen.

Kai B.

XXL WertungXL 1

Tracklist:

CD1:
01. Jökelväktaren
02. En väldig isvidds karga dräkt
03. Lavin
04. Fjällets mäktiga mur
05. Obygdens pionjär
06. Vinterstorm
07. Tusenåriga stråk
08. Allt mellan himmel och jord
09. Vårflod

CD2:
01. Tillbaka till källorna
02. Köldens borg
03. Portalen
04. Svart måne

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